Maggiora
Der lange, seeehr steinige Weg von Kesseltal bis Maggiora...
Wo fang ich an?! Für die vergangene Woche fehlen mir echt die Worte... Aber von vorn: Gleich Sonntag Nacht, von Brachstadt zurück, haben wir die Autos noch abgeladen, damit es
Montag
früh gleich los gehn kann! Ich also früh aufgestanden und zum Mittag lagen schon die Brocken ums Auto rum. Zwischendurch noch schnell Dichtungen bestellt und dann konnte das gute Stück auch schon auseinander. Aber mit jedem Deckel und jedem Teil das weg kam, sah es düsterer für Italien aus: alles voll mit Spänen... Lager, wie ich es mir schon dachte... Kopf in Sand stecken is nicht, also kurz mit dem Onkel Doc telefoniert und der weitere Ablauf stand. Motor in Kofferraum und dann kam auch bald Verstärkung: Selly und Matze krempelten die Ärmel hoch und bis spät abends wurde dann an 3 Autos gewerkelt. Bei Papa msuste das Getriebe gezogen werden, bei Natalie war die Ölwanne gerissen und bei mir musste noch der Radträger getauscht werden. Zusätzlich zu den üblichen anfallenden Aktionen wie waschen und durchchecken, versteht sich...
Dienstag
Ich warte und warte und warte... blöder Weise meldet sich unser Suzuki Händler nicht. Vielleicht hat er mich ja vergessen, also fahr ich einfach so vorbei. Und ach, welch Überraschung, die Dichtungen sind noch nicht da... Wieder ans Telefon, wieder warten und wieder Planänderung. Also gleich nach Kassel zum Onkel Doc, der hat in der Zwischenzeit die nächsten Dichtungen bestellt und seine ganze Wochenplanung übern Haufen geworfen. Irgendwann am späten Mittag komm ich oben an, der Motor wird noch gar in alle Einzelteile zerlegt und Fabse ´schleift´ und poliert mit einer Engelsgeduld meine Kurbelwelle. Bis dahin ist noch alles offen, aber es scheint sich doch noch zum Guten zu wenden und die Kurbelwelle ist noch ´brauchbar´;) Dann noch schön Dichtungen kratzen, alles sauber machen, durchspülen und dann sollt das doch klappen!
Mittwoch
Wir wollen die bestellten Lager holen. Es sind auch Lager da, nur leider die falschen.. Lieber Gott, womit hab ich das verdient??? Donnerstagmorgen könnten die nächsten da sein, aber das ist zu spät. Wieder glühen die Leitungen... Und Fabse kriegt tatsächlich welche organisiert!! Die liegen zwar 250km weiter weg, aber das spielt dann auch schon keine Rolle mehr, nix wie hin!!! 3 Stunden später, unglaublich erleichtert und mit den Lagern im Kofferraum treten wir den Rückweg an. Das mit der Erleichterung dauert nur etwa 10 Minuten an, dann kracht es und Papas Audi hat ne Delle... F..F..F.. wie bring ich ihm das nur bei?! Am frühen Abend sind wir schließlich zurück in Kassel, die Delle ist erstmal verdrängt und mit vollem Elan geht´s ans Zusammenbauen! Was soll denn jetzt noch schief gehen? Also Kurbelwelle rein, Zahnräder rein, sämtliche Wellen rein, Deckel drauf, Kolben rein, Zylinder drauf, usw. Sieht doch schon fast wieder nach nem Motor aus =) Also, Endspurt! Das Köpfchen drauf, die Nockenwellen und dann sollt ich doch schon fast wieder auf dem Heimweg sein! Sollte... Wie war das mit ´Schlimmer geht´s nimmer?!´ Oh doch, es geht... Wir probieren und probieren und probieren aber irgendwie will es nicht so recht... Es ist dann so ca 2 Uhr Nachts, da wissen wir auch warum: das Lager von der Nockenwelle ist gerissen... Das wars. Mit Italien, Bautzen, der DM. Herzlichen Glückwunsch!! Anscheinend soll es einfach nicht sein... Da tust du wirklich alles Menschen mögliche, wenn nicht noch mehr und dann kommt plötzlich einer mit ner Stecknadel und alles ist vorbei, geplatzt wie eine Seifenblase. Und jetzt? Aufräumen, Einpacken, Heim fahren.
Um halb 4 fahr ich in Kassel los, mal mir in Gedanken schon das triste Wochenende auf dem Sofa aus. Aber nach ner drei viertel Stunde Fahrt packt mich doch noch der Ehrgeiz. Das geht doch nicht!! Ich wollte unbedingt nach Italien, hab alle anderen dazu überredet und jetzt soll ich die einzige sein die daheim bleibt?! Thomas (prokopowicz) hat mir seinen Ersatzmotor angeboten, der ist aber in München auf der Wiesn... Martin!!!!! Er hat mir beim letzten Motorschaden in Seelow seinen Ersatz angeboten und laut Navi ist es zu ihm sogar kürzer als nach Hause. Passt grad zum Frühstück!
Donnerstag
Halb 8 in Ammerdingen. Da wär ich also, Martin erreich ich nicht, die Adresse hab ich nicht und sein Auto find ich auch net. Wie blöd kann man eigentlich sein? Und auf was für schwachsinnige Ideen kann man eigentlich kommen?
Ich versuch noch paar mal Martin anzurufen, zwischendurch noch Bernd Spielberger, aber keiner geht ans Handy und der Akku von meinem ist so gut wie leer... Plötzlich piept es! SMS, entgangener Anruf! Bernd! Ich ruf zurück und ohne lang zu fragen setzt er sich ins Auto, holt mich ab, wir fahren zu Martin und schmeißen den aus dem Bett. Und was macht der Kerl? Guckt zur Tür raus und meint nur "du brauchst was, oder?", als wär es das Normalste der Welt... Noch ein kleines bisschen Schrauben, Handy geht auch wieder (mit Bernds Akku) und dann ab nach Hause. Jungs, ihr seid einfach die besten!!! DANKE DANKE DANKE!!!!!!!!! Zu Hause angekommen müssen noch ein paar Kleinteile ans Auto angepasst werden und schon kann das gute Stück ins Auto rein. Mit vereinten Kräften ist das dann auch schnell passiert. Alles dran, alles drin, laufen lassen! Vorher noch bissl Öldruck aufbauen, der ist dann auch gleich da, ABER... die Wasserpumpe pisst und vom Motor kommt monoton ´tok...tok...tok...´ Das war dann der Punkt, an dem ich keine Lust mehr hatte. Aber jetzt war es Papa der nicht aufgeben wollte. Er, und die beiden Matzes bauten das Differential wieder aus, tauschten die Wasserpumpe, drehten von Hand den Motor noch ein paar Mal im Kreis, telefonierten mit Martin und ließen das Motörchen schließlich laufen. Aber immer noch ´tok..tok..tok...´ Irgendwie kamen wir dann auf die Kupplung. Die wollten wir noch anschauen, bevor wir das ganze abhakten. Papa, Matze, Matze und Werner bauten also sehr optimistisch das Diff wieder ein, Achsen dran usw. und ich baute in der Zeit von der anderen Seite sehr pessimistisch die Kupplung aus. Wie gut, dass ich die die letzten Wochen schon öfters auseinander hatte, so war auch gleich klar, dass sie falsch zusammen gebaut war. Also meine alte Kupplung rein, Kerzen wieder raus. Öldruck ist da und das Geräusch weg!! Halleluja!! Noch kurz die Verkleidung dran, Kerzen wieder rein und beim von Hand reindrehen, bricht das Gewinde ab... Das gibt´s doch wirklcih nicht!! Die Jungs kriegen aber auch das noch hin. Dann noch aufladen und schließlich können wir Nachts um halb 3 nach Italien starten!
Freitag
2 Motoren, knapp 50h auf den Beinen, 1800km quer durch Deutschland und 430km nach Italien später, sind wir doch tatsächlich heil in Italien angekommen! Alles aufbauen, später zur Abnahme und stellt euch vor, da ging auch nichts mehr schief!!!
Samstag
Es regnet und regnet und regnet...
Dementsprechend sieht die Strecke beim freien Training aus, aber irgendwie reizt es halt doch. Natalie und ich springen in die Autos und auf +/- 10 Minuten fröhliches Rutschen auf der Strecke folgen 3h am Waschplatz. Aber war witzig!!
Zeittraining
Es ist weitgehend abgetrocknet und staubt stellenweise sogar schon. Den Startnummern nach aufsteigend wird gestartet. Da ja eh noch ein zweites Zeittraining folgt, nehm ich das gar nicht sooo ernst. Erst mal Strecke bissl anschauen, mit dem Motor anfreunden und dann schauen wir mal. Umso überraschter war ich dann darüber: Platz 23 von 38! super Sache! =) Auch Papa war mitten drin dabei: Platz 19 von 33. Bei Natalie ist es dafür ganz blöd gelaufen. Sie war eh schon spät dran, dann haben wir im letzten Moment noch gesehen dass mit ihrem Reifen was nicht stimmte und haben den noch schnell getauscht. Das Rad war dann drauf, aber durften die Luft am Vorstart nicht mehr ablassen und so musste sie mit 4 bar Unterschied in den Reifen fahren... Ein zweites Zeittraining gab es für die Karts nicht, damit blieb es bei der letzten Reihe. Aber auch für Papa und mich änderte sich nicht mehr viel. Beim zweiten Mal wurde von oben nach unten gestartet und direkt vor uns wurde die Strecke noch mal geflutet.
1. Heat
Mir war abwechselnd total schlecht und dann war ich wieder absolut entspannt. Einerseits ging es um ´nichts´ und ich wollt ja auch ´nur mal gucken´, wo ich steh und dann kam mir wieder in den Kopf ´SCH... ICH FAHR EM!!!
Und dann ging es also los. Froh war ich nur, dass ich die EM-Szene nciht so verfolgt hab und mir die meisten Namen eh nichts sagten. Es konnten also die schnellsten oder die langsamsten sein, die da mit mir auf der Startplatte standen ;) 5s Schild, die Ampel blitzt auf! Und... ich komm nicht recht vom Start weg. Regt mich im ersten Moment total auf, als sich die Jungs in der 1. Kurve aber gleich gegenseitig abschießen bin ich doch nicht mehr so böse drum. Irgendwie wollte es in den Runden drauf aber auch nicht so rech klappen. Das wiederum nervte mich mehr, weil ich wusste dass ich es eigentlich besser kann... Platz 22.
Papa hatte den größten Spaß beim Fahren, trotz dass er eine sehr starke Gruppe erwischt hatte und landete auf Platz 21.
Natalie hatte so ihre liebe Not. Bei 25 Autos, alle auf einmal losgelassen und aus der letzten Reihe startend ist das nicht so leicht. Sie schaffte es aber ins gute Mittelfeld vor.
2. Heat
Nächster Versuch, nächster gescheiterter Start. So konnte ich aber wenigstens live und aus nächster Nähe sehen wie einer Thomas als Sprungschanze nutzte und einfach drüber flog. Mama!! Irgendwie schaffte ich es aber um das alles rings rum und kam auf dem 5. Platz wieder raus. Fuß aufs Gas, Genick einziehen und rum um den Kurs! Ich konnte meinen Platz halten :) Die Hinterachse war trotzdem krumm, dank einer richtig miesen Bodenwelle. Platz 19. Einer noch, dann bin ich im B-Finale!!
Vor lauter Hinterachse tauschen konnten wir leider Papa nicht zugucken. Er hielt seinen Platz aber auch ohne uns, genauso wie Natalie.
3. Heat
Natalie machte hier den Anfang. Aus dem Mittelfeld startend legte sie einen hammer Start hin, außen an fast allen vorbei, bis unter die ersten 3, 4. Das Aus kam dann leider schon in der ersten Kurve. Mit Schwung krachte ihr einer aufs Vorderrad und die Lenkung quittierte den Dienst. Schade, wäre sicher interessant geworden...
Bevor wir dann auch wieder ran durften war noch die Fahrerpräsentation. Beladen mit allen Fahnen die wir gefunden haben und nach Ländern aufgestellt ging es auf die Strecke. Zog sich zwar ewig, die ganze Prozedur aber wenn du dann mit allen Fahrer aus deinem Land vor den Zuschauern stehst, die Nationalhymne läuft, alle andächtig die Motoren verstummen lassen und die Zuschauer jubeln, da bekommst einfach nur ne Gänsehaut!!
Jetzt aber zum 3. Lauf
Endlich stand ich in der zweiten Reihe, neben mir Ziegler und in der 1. Reihe Waldschmidt und Küches. 5s... die Ampel blitzt auf!! Ganz klar, es liegt an der Reihe, der Start klappt viel besser ;) Wir kommen auf die erste Kurve zu geflogen.. und schon knallt es. Ich komm mir vor wie ne Billiardkugel... Alle Räder noch dran? Ja, also geht´s weiter! Blöderweise ist bei dem Chrash die Antriebswelle vorne links drauf gegangen und mein Spez spielt Kreisel. Nach 3 Drehern in 1 Runde, ist es dann an der Zeit abzustellen. Auto aus, raus auf den Reifenstapel, Helm runter und das Volk jubelt...
Papa mischt sich am Start ins Getümmel, kommt aber zum Glück heil wieder raus. Dreht schön seine Runden, mit dem endlich funktionierenden Auto und kommt als 5. in seiner Gruppe ins Ziel. Und so waren die Ergebnisse: Platz 25
Finale
Als einzige durfte Natalie noch ein Finale fahren. Sie startete aus der 4. Reihe, hielt sich aber diesmal am Start zurück und holte die Jungs lieber auf der Strecke. Nach 7 Runden hartem Kampf schließlich Platz 11, von 25.
Damit ging dann auch ein anstrengendes aber schönes Wochenende zu Ende. ich denke, wir haben uns gut geschlagen und damit hat sich der Stress im Vorfeld allemal gelohnt! Freuen wir uns also noch auf ein schönes Abschlussrennen in der Lausitz!
Zum Schluss noch mal DANKE!!!
an Fabian Schmitt, der alles dran gesetzt hat, dass ich mit meinem Motor an den Start gehen kann. Leider sind wir gescheitert.
an Bernd Spielberger fürs Abholen und den Akku
an Martin Fürst für den Motor!!!
und an alle die uns dieses Wochenende wieder mit helfender Hand zur Seite standen! Ich werde immer wieder gefragt, warum wir so viele Kilometer quer durch Deutschland zu den DM Läufen fahren.
Wegen Leuten, wie diesen!!!